Der Titelmangel der Bundesliga.

Der FCB war in 2001 Europameister. Seit diesem Erfolg gibt es aber nichts für die Bundesliga.

Es war der 28. Mai und Borussia Dortmund war Europameister. Damit erlebte die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld den grössten Tag der Geschichte des BVB, und der deutsche Fußball gewann seinen zweiten europäischen Titel in einer Woche; sieben Tage zuvor hatte Schalke 04 in Mailand den UEFA Pokal gewonnen, und der Begriff „Eurofighter“ wurde geboren. Zwei Pokale, zwei Mannschaften und alles ohne FC Bayern. Die deutschen Vereine waren in diesem Moment an der Spitze des Weltfußballs, und die Zukunft sah schön aus. Eine schöne Zukunft war es, denn die Bundesliga brauchte nur noch vier Jahre, um einen weiteren Europapokal zu gewinnen. Dieses Mal musste es allerdings der FC Bayern sein. Aber in 2001, als der fliegende Olli Kahn und der ehemalige Dortmund Trainer Hitzfeld den Europapokal für den Rekordmeister geholt haben, war ganz Deutschland nochmal Gewinner. Drei europäischen Titel in vier Jahren, und alles trotz der wachsenden finanziellen Macht der spanischen und englischen Vereine.

Nachdem der FC Bayern dieses „Endspiel des Elfmeters“ gegen Valencia CF gewonnen hat, hat sich jedoch alles verändert. Seit 2001 sieht die Vitrine der Bundesliga immer leerer aus, es gibt seitdem keine europäische Trophäe mehr. Warum? Wie könnte ein fußballbesessenes Land wie Deutschland zehn Jahren ohne einen europäischen Titel hinbringen? Haben die Deutschen ihre berühmte Siegermentalität verloren? Oder ist dies ein fester verwurzeltes Problem? Warum können die deutschen Mannschaften nichts gewinnen, und wie lange wird es brauchen, um ihren nächsten europäischen Erfolg zu holen?

Die Deutschen waren immer für ihre leistungsfähigen Mannschaften bekannt. Sei es ein Verein oder sei es die Nationalelf, die alte englische Maxime behielt immer Recht: „You can never write off the Germans“ („die Deutschen kann man nie verdrängen“). In 1954, 1974 und auch wohl 1990 war die Nationalmannschaft nie Favorit, die WM zu gewinnen, aber sie hat es geschafft. Die bereits erwähnten Erfolge des BVB und des Schalke 04 waren auch ein bisschen überraschend, und sogar den legendären FC Bayern vom „Kaiser“ und dem „Bomber“ wurde wegen seiner Effizienz gefürchtet. Effizienz und ein unglaubliches Siegeswille sind immer die typischen Eigenschaften der deutschen Mannschaften gewesen. In den letzten zehn Jahren ist es aber in Europa nicht so gut gelaufen. Nur die Bayern können wirklich behaupten, dass sie realistische Gelegenheiten gehabt haben, die Champions League zu gewinnen. Und es gibt wenige Vereine – vielleicht nur de nHSV und den FCB – die eine gute Chance im UEFA Pokal gehabt haben.

Dieses Problem stammt aber nicht einfach aus einem Selbstvertrauensverlust. Die deutschen Vereine überraschen Europa immer noch. Letztes Jahr, als die Bayern ins Endspiel der Champions League gekommen sind, hätte nur ein sehr optimistischer FCB Fan es vor der Saison vorausgesagt . Im Viertelfinale gegen Manchester United haben sie hart gekämpft, und mit ein bisschen Glück und einem „wunderbaren Tor“ von Arjen Robben- so der Fernsehkommentator – haben sie den englischen Meister geschlagen. Es ist auch ähnlich beim HSV gelaufen. Im gleichen Jahr hat Hamburg unerwartet das Halbfinale des UEFA Pokals (Europa Leagues) erreicht. Die Siegermentalität steht also noch. Man kann nur wirklich ein konreten Beispiel dagegen finden: im Rückspiel des Halbfinales vom UEFA Pokal 2008, verlor der FC Bayern gegen Zenit St Petersburg mit vier zu null. -eine Katastrophe. Damit ist eindeutig die beste Chance eines europäischen Titels für Deutschland vergangen. Anschuldigungen wegen Spielmanipulationen wurden nie bewiesen, und das Spiel wurde schnell vergessen. Ansonsten zeigen der HSV und der FCB, dass die deutschen Mannschaften in Europa sehr selten enttäuscht haben. Sie sind tatsächlich nur zu schwach, um die großen englischen, spanischen und italienischen Vereinen zu übertreffen.

Dieses Problem braucht keine Erklärung. Beim Fußball heute geht es um Geld, das weiss jeder. Die bewundernswerten finanziellen Gesetze, an den die Bundesliga Vereine sich halten müssen, bedeuten, dass es fast keine Chance auf Erfolg gibt, wenn man gegen den freien Markt des allgemeinen europäischen Fußballs kämpfen muss. Besonders die englischen Klubs haben in den letzten zehn Jahren gefunden, dass eine annähend komplette finanzielle Freiheit Pokale und Titel bringt. Die grossen spanischen Vereine waren immer reich; durch das Geld von Rupert Murdoch und Sky TV ist die Premier League immer reicher geworden, und in Mailand hat die großzügige Finanzierung von Herrn Berlusconi dem AC Mailand die Chance gegeben, an der Spitze Europas zu bleiben. In Deutschland kann jedoch solch eine finanzielle Manipulation nicht passieren. Durch ihre finanziellen Regeln ist die Bundesliga die gleichgestellteste und wettbewerbsorientierteste Liga Europas. Sie hat auch eine Höhe von Schulden behalten, die unglaublich niedrig ist: die Bundesliga hat Schulden von nur knapp 0,6 Mrd Euro; im Vergleich zur Premier League (3,9Mrd), der Primera Liga (3,5Mrd) und Serie A (1,8Mrd) ist das eine beneidenswerte Zahl. Angesichts dieser Zahlen ist es bewundernswert, dass die deutschen Mannschaften noch in der Champions League spielen können, ganz zu schweigen von Trophäen zu gewinnen.

Die ökonomische Kluft zwischen den deutschen und den anderen europäischen Klubs ist riesengroß. In solch einer Situation kann man nie erwarten, dass ein deutscher Verein Europameister wird oder den UEFA Pokal gewinnt; natürlich ist der FC Bayern kein armer Verein aber auch in seinem Fall muss man es bewundern, dass er letztes Jahr der Vizemeister Europas war. Kann man diese Situation wirklich verändern? Wird es nun immer so laufen, dass die Deutschen kaum eine richtige Chance in Europa haben, und dass Geld der beste Fußballspieler der Welt ist?

Günter Netzer glaubt nicht. In einem Interview in „kicker“ hat er behauptet, dass die neue „Financial Fair Play“ Initative von UEFA die ganze finanzielle Lage des europäischen Fußballs verändern werde. Zudem sagt er voraus, dass die Bundesliga in den nächsten vier Jahren einen europäischen Titel holen werde. Vielleicht hat er Recht. Die verschuldeten Vereinen aus England und Spanien können nicht viel weiter gehen, ohne ein Paar Kompromisse einzugehen – je länger sie ihre finanzielle Einstellung nicht verändern, desto schlechter werden die finalen Auswirkungen davon sein. Die anderen Vereine hören es oft – und vielleicht haben sie davon die Nase voll – aber die deutsche Denkweise funktioniert. Sie führt zu wenig Schulden und mit neuen Regeln und einem faireren ökonomischen Umfeld könnte es auch Erfolg bringen. In einer Champions League, in der es nicht nur ums Geld ginge, könnten die deutschen Vereine auch vielleicht nochmal was gewinnen, und ihre dauerhafte Titeldürre schließlich beenden.

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